Newzealife

Heute in dreizehn Tagen werde irgendwo am Flughafen sitzen und auf meinen dreißigstündigen Flug nach Christchurch / Neuseeland warten. Ein Bisschen aufgeregt bin ich schon.
Dass ich für neun Monate ins Ausland gehe sollten eigentlich so ziemlich alle von euch schon wissen – posten wollte ich es hier trotzdem noch mal – zum Nachlesen, oder einfach der Vollständigkeit halber. Ausschweifen will ich jetzt auch nicht, denn ich habe meinen eigenen Ein-Jahr-Neuseeland-Blog erstellt, auf dem ich im Detail auf meine Route, Pläne und Gefühle eingehe. Die Seite gleicht zwar noch einer Baustelle und viele Seiten fehlen komplett, aber das wird schon noch. Dort wird es jedenfalls auch während meiner Reise Updates von meiner Seite geben (soweit es die Verfügbarkeit von Internetzugängen erlaubt). Ich würde mich freuen wenn ihr meinen Reiseblog teilt, damit auch Andere an meiner Reise teilnehmen können!
Damit habe ich hier alles gesagt was ich sagen wollte – wir sehen uns auf der anderen Seite. Der Welt. Äh, meinem Blog meine ich. Ihr wisst schon. 😀

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Frei

Es ist neunzehn Uhr am Abend, und ich fahre mit dem Fahrrad vom Training nach Hause. Die Sonne macht noch keine Anstalten hinter dem Horizont zu verschwinden, und die weder sehr warme noch sehr kalte Luft weht mir um die Nase (und um meine achtundzwanzig Hörner) und trägt das erste Mal den Hauch eines Blütenduftes zu mir. Es wird Frühling.
Hinter mir liegen die wohl stressigsten Wochen meines bisherigen Lebens, aber auch meine schriftlichen Abiturprüfungen. Hinterlassen haben sie ein größtenteils positives Bauchgefühl, wobei ich auf dem nach-Hause-Weg von der Matheprüfung aufpassen musste, meine Freudensprünge am Bahnhof nicht ausversehen auf die Schienen zu machen – das Lernen hat sich also gelohnt.
Draußen taut die Landschaft auf, und ich fühle mich auch wie langsam auftauend aus dem zurückliegenden Stresszustand. Es kommt mir vor, als wäre ich das erste Mal seit langer Zeit wieder fähig, das Steuer meines Lebens selbst in die Hand zu nehmen, nachdem mir der Autopilot lange Zeit viel Arbeit abgenommen hat. Ich glaube, in der Vergangenheit habe ich sehr viel Zeit einfach nur ‘überlebt’, automatisch gelebt, ohne bewusst zu entscheiden, ohne dazu in der Lage zu sein. Ich glaube, ich war überfordert.
Und jetzt fange ich plötzlich an, meine Umgebung wieder bewusst wahrzunehmen. Plötzlich finde ich mich an meinem Schreibtisch wieder, seitenlage Briefe einfach so aus dem Ärmel schüttelnd, über die ich mir sonst den Kopf zerbrochen hätte. Brief fertig. Nächster Tag, nächster Brief. Und plötzlich bin ich zufrieden mit dem, was ich geschrieben habe – fast vermisse ich die perfektionistische Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass eine Formulierung anders doch ganz besser klingen würde, und die mich einen Briefumschlag erneut beschreiben lässt, weil mir meine Schrift nicht gefällt. Aber irgendwie fühlt es sich auch gut an.

Aber leider sind die Ferien nicht das Ende des Stresses, denn noch viel wichtiger als mein Abitur scheint die Frage, was ich nach meinem Abitur machen will. Ach, ich wünschte diese Frage gar nicht beantworten zu müssen, ich fühle mich mit 18 Jahren als G8-Schüler doch noch viel zu jung um eine Entscheidung für mein Leben zu treffen, und motiviert bin ich auch nicht, wo ich doch gar nicht weiß, was ein Leben überhaupt ist, wie es sich anfühlt, wie lang es ist. Aber so sehr ich mich auch drücke, ich muss etwas tun, und diese Entscheidung will ich auf keinen Fall der verstreichenden Zeit überlassen. Also verbringe ich Stunden vor dem Computer, suche nach Möglichkeiten, und ziehe mir vorsichtshalber Schwimmflügel an, um nicht in der Flut an Möglichkeiten zu ertrinken, die sich mir bietet. Und nach Stunden bin ich auch nicht schlauer.
Vermutlich werde ich, wenn es finanziell irgendwie machbar ist, ins Ausland gehen. Den Berg an Überwindung, der so hoch ist dass seine Spitze in den Wolken verschwindet und ich glaube, auf ihm zum Mond laufen zu können, beiseite schieben (meine armen Arme), und mich ein Jahr in einem Land mit Arbeit und Reisen über Wasser halten, mehr von der Welt sehen, vielleicht das Gefühl von Freiheit spüren. Momentan überwiegt meine Angst, dort nicht zurecht zu kommen, keine Jobs zu finden, keine Freunde zu finden, die Zeit nicht genug genießen zu können, doch ich bin mir sicher viel mitnehmen zu können, sollte ich mich dazu überwinden.
Ob ich mich je explizit dazu entscheiden werde, weiß ich aber nicht. Ich habe das Gefühl, ein so stark ‘denklastiger’ Mensch zu sein, dass ich nur mit Gedanken kaum eine Entscheidung stemmen kann. Viel eher mache ich die Entscheidung und lasse meine Gedanken Gedanken sein. So finde ich mich manchmal auf meinem Fahrrad auf dem Weg zum Training wieder, und denke immernoch darüber nach, ob ich trainieren gehen soll oder nicht. Mein Kopf hat die Entscheidung nicht getroffen, aber ich habe die Entscheidung schon getroffen, mit Handlungen. Und so saß ich vor zwei Monaten im Bürgerbüro mit einer tollen Wartenummer in der Hand, während ich, den örtlichen Schnellbahnhplan beäugend darauf wartete, meinen Reisepass zu beantragen. Entschieden hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts, aber einen Schritt zur Entscheidung habe ich schon gemacht. Ich glaube, ich werde die Entscheidung meiner Zukunft nie wirklich als ‘Ja’ oder ‘Nein’ treffen. Wenn ich sie treffe, dann durch Handlungen.

Warum ich diesen Text geschrieben habe? Ich wollte mal wieder etwas von mir hören lassen, nachdem mein Twitter Account so ruhig geworden ist. Ich wollte euch etwas von mir und meinem Leben erzählen, und das alles auch einfach für mich aufschreiben. Wenn ihr es gelesen habt, freut es mich. 🙂
Und vielleicht laufe ich heute in einem Jahr an irgendeinem fernen Ort am Strand entlang, und der Wind trägt den ersten Duft des Frühlings zu mir… und vielleicht fühle ich mich dann wirklich frei.

Advent, Advent…

… kein Lichtchen brennt – jedenfalls noch nicht in meinem Inneren. Obwohl es schon seit Anfang Oktober, und damit sogar vor Halloween in dutzenden Geschäften und Kaufhäusern Weihnachtliches, was selbstverständlich nach Weihnachten sofort gegen das neue Ostersortiment ausgetauscht wird, zu kaufen gibt, sieht die Welt, die man da hinter seinem Fenster sieht, eher weniger nach Weihnachten oder Dezember aus, lediglich die kalten Temperaturen und die Momente, in denen man um 17 Uhr verwundert ins Dunkle schaut, tragen zumindest ein Bisschen zu einer winterlichen Atmosphäre bei. Und so geht es mir auch heute wie fast jedes Mal, wenn ein neuer Dezember vor der Tür steht (natürlich klingelt er nicht), von dem jeder Tag Teil eines großen, oder eher von der Gesellschaft als groß angesehenen Countdowns ist, den man erwartungsvoll Tag für Tag hinunter zählt, nur um beim Erreichen der letzten Tür, die mitunter auch sehr viel Stress, und nicht nur die erhoffte Entspannung und Besinnung mit sich bringt, verwundert zu realisieren dass er schon wieder so schnell vorbei ist Für mich als Dezemberkind (Steht das im Duden? Wenn nicht: Dezemberkind – Im Dezember geborenes Kind.) ist der Countdown jedoch schon nach sieben Tagen vorbei, wenn er das nicht schon ist, bevor er überhaupt begonnen hat – denn Weihnachten ist für mich weder ein Tag im Kalender noch ein Weihnachtsbaum, unter dem Geschenke wartend liegen, Produkte einer riesig großen Industrie, die den Menschen hinter dem Schleier eines besinnlichen Festes das Geld aus den Taschen ziehen und aus dem Kaufen gar einen Wettbewerb machen. Weihnachten ist für mich auch nicht der Tag, an dem ich jedem Menschen, der mir etwas bedeutet, etwas schenken oder eine Freude machen möchte, denn jeder andere Tag im Jahr wäre dazu genau so gut, ja wenn nicht sogar besser geeignet, denn im Strom der Masse der Menschen, die an diesem Tag dasselbe tun, steht dahinter vielleicht weniger Wille als Gruppenzwang.
Nein, Weihnachten ist für mich eher ein Gefühl das entweder da ist oder nicht, unabhängig von der Zahl auf dem Kalender an meiner Wand. Weihnachten ist das Gefühl der Geborgenheit die man verspürt, wenn man sich an düsteren und eiskalten Tagen in die Wärme seines Hauses zurückziehen kann, das Gefühl beeindruckt zu sein von der Schönheit, die die Landschaft unter dem weißen und sauberen Mantel, der Plätze, die zuvor schon von tausenden anderen Menschen betreten wurden, plötzlich so unberührt und neu aussehen lässt, annimmt, und ebenso das Gefühl der Einsamkeit, wenn die eigenen Augen an jeder Ecke Menschen, die einander gefunden haben erblicken, und man sich beim Wandern durch die Abgeschiedenheit der weißen Landschaft nichts mehr wünscht, als nur ein Mal im Leben die im Schnee knirschenden Schritte einer solchen Person neben sich zu hören. Weihnachten ist ein Ende, das jedes Jahr so enden lässt wie es einst begann, und deshalb ist Weihnachten auch eine Zeit des Zurückblickens, des Abschließens, des Reflektierens und des Wünschens für das neue Jahr. Und deswegen geht der Winter auch im neuen Jahr weiter, während Weihnachten spätestens mit dem ersten Knall einer Rakete, die einen übergroßen und bunt leuchtenden Eiskristall an den Himmel projeziert, vorbei ist, und ein weiteres Jahr ein Teil der bald weit entfernt zurückliegenden eigenen Vergangenheit wird.
Und vielleicht wird es am Ende dieses Jahres einmal wieder richtig Weihnachten.

Einhundertsechsundvierzig

Heute Abend ist es endlich so weit, ich werde meine Lieblingsband das erste Mal in meinem Leben live sehen – das sagt mir auch mein Timer, der mich seit 146 Tagen immer wieder an den heutigen Tag erinnert.

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Einhundertsechsundvierzig Tage sind eine lange Zeit, sollte man meinen, doch kommt es mir nicht länger als eine Woche vor, dass ich die Ankündigung gesehen habe und die Tickets gekauft habe, und so erinnert mich diese so unschuldig aussehende Null unsanft daran, wie schnell das Jahr plötzlich vorangeschritten ist, wie sehr einem die Zeit aus den Händen zu gleiten scheint, wenn man nichts tut, um sie irgendwie festzuhalten, und genau das habe ich nicht getan. Ein Blinzeln entfernt scheint der so aufregende Anfang des Jahres zu sein, der so viel Hoffnung auf die Verwirklichung von den tausenden Plänen die ich und Menschen, die heute scheinbar nichts mehr mit mir zu tun haben, geschmiedet haben, machte. Doch es dauerte nicht lange bis diese Welt im Internet, in der ich die letzten zwei Jahre gelebt hatte, endgültig zusammenbrach – wobei es eigentlich ich selbst war, der nicht mehr konnte, diese Welt lebte ohne mich weiter. Ich zog mich zurück, wurde stiller, ruhiger, verschlossener, und spürte manchmal sogar einen Hauch Zufriedenheit in mir, als sich Menschen, die mir einst versprachen, mich nie zu verlassen, von mir abwendeten, denn schon als diese Menschen genau das versprachen wusste ich, dass es nicht die Wahrheit sein würde, allerhöchstens eine schöne Vorstellung oder etwas, auf das man möglichst lange hinarbeiten würde. Aber auch ich habe diese Versprechen gemacht, mit genau dem selben Wissen im Hintergrund, ich wusste nur keinen anderen Weg um das zu sagen, was ich sagen wollte.
Ein letzter Schlag ins Gesicht von einer Person, die mir noch heute viel bedeutet, ließ mich dann aufhören, ließ mich Twitter verlassen und nie wieder betreten, ließ mich endgültig genug haben von diesem Leben, das eigentlich gar keines war. Es hinterließ ein großes Vakuum in mir, das ich verzweifelt zu füllen versuchte, doch Erfolg sollte ich dabei nie haben, und so habe ich mich an diese Leere gewöhnt, in der vor nur einhundertsechsundvierzig Tagen noch viele Menschen ihren Platz hatten. Und mit diesen Menschen verließ mich die Lust am Schreiben, am Nachdenken, an all dem, was ich vorher mit diesen Menschen geteilt habe. Ich habe es trotzdem noch getan, ich tue es trotzdem noch, und ich glaube, ich könnte es gar nicht nicht tun, aber es hat keinen wirklichen Reiz mehr, es ist langweilig, eintönig, weil die einzige Stimme nun meine ist, und es keinen Widerspruch, kein Lob, keine Meinungsverschiedenheiten mehr gibt. Und ungeachtet der Sinnlosigkeit ihrer Worte wollte diese Stimme einfach mal wieder gehört werden, einfach das sagen, was sie denkt.

 

Aufwachsen

Es ist ein kalter Herbstmorgen, und die frische Luft lässt mich, zusammen mit dem jeden Morgen später kommenden Licht der Sonne, die die Wolken am Horizont durchbricht und Licht auf einen neuen Tag wirft, den jeder Mensch vor sich hat, innehalten, und den mich durchströmenden Erinnerungen an den letzten Winter, seit dessen Ende ich diese Athmosphäre nie mehr so stark gespürt habe wie in diesem Moment, lauschen. Diese Erinnerungen an scheinbar bessere, weniger von Schulstress durchzogene Zeiten, in denen ich noch einige Dinge mein Eigen nennen durfte, die heute nur noch ein Teil dieser weit zurückliegenden Vergangenheit sind, lassen mich wieder diese Sehnsucht nach der Vergangenheit empfinden, die bestimmt jeder Mensch ein Mal in seinem Leben spüren wird, und das, obwohl in dieser Vergangenheit auch viele Dinge existierten, die ich schon beim Erwachen am Morgen wie eine Last auf meinem Rücken trug, und erst wieder ablegte, wenn ich mich wieder zur Ruhe legte, nur um mich darauf vorzubereiten, diese Last am nächsten Tag wieder tragen zu müssen. Meine Sehnsucht gilt nicht diesem Teil der Vergangenheit, der ohnehin in einer dunklen und verstaubten Ecke meiner Erinnerung darauf wartet, vergessen zu werden, sondern viel eher der Zeit zwischen dieser Vergangenheit und dem jetzt und heute, der Zeit, die für mich damals nur eine vage umrissene, größtenteils unbekannte und beängstigende Zukunft war, so wie es das nächste Jahr für mich heute ist, denn im Gegensatz zu damals kenne ich heute den schönen Inhalt dieser Zeit, und sehne mich danach, diese Zeit noch einmal zu erleben, sie noch einmal vor mir zu haben. Würde mir dieser Wunsch erfüllt werden, wäre da wieder diese Ungewissheit, die mir statt Freude nur Angst schenkt, aber diese Tatsache interessiert meine Sehnsucht nicht.

Ich laufe auf den verlassenen, von Laternen in ein orangenes Zwielicht getauchten Straßen durch die kühle Luft, und während meine Blicke auf den kleinen Wölkchen, die mein Atem vor mir in die Luft haucht, lasten, schweifen meine Gedanken durch die Leere der Straßen, durch die mich meine Füße schon unzählige Male getragen haben, und deren Aussehen ich vermutlich besser kenne als das meines eigenen Gesichtes. Alles ist wie an jedem anderen vorherigen Morgen auch, das Licht der Laterne in der scharfen Kurve flackert langsam und unregelmäßig, und im Badezimmer des Hauses an der Kreuzung brennt ein warmes Licht, während das gleichmäßige Plätschern von einem laufenden Wasserhahn durch den Spalt des geöffneten Fensters zu meinen Ohren dringt, und die Vögel, die sich auf der Suche nach Nahrung auf dem Zaun vor mir niedergelassen haben, zwitschernd davon fliegen, als ich mich nähere, und doch scheint genau heute alles anders zu sein, auf eine Art und Weise, die ich nicht mit Worten benennen kann. Doch ich weiß, dass nichts, was meine Ohren, meine Augen oder meine Nase wahrnehmen können, anders ist als sonst, denn die Veränderung liegt in mir, nicht in meiner Umwelt. Irgendetwas an der Art und Weise, mit der ich diese Wahrnehmungen, die jeden Morgen unverändert bleiben, verarbeite, hat sich so verändert, dass ich die Außenwelt anders wahrnehme als gestern, als vorgestern, als vor einem Jahr. Und mit dem Wissen, dass ich nun innerlich wieder ein Bisschen anders bin, setze ich meinen Weg fort, aus diesen Straßen hinaus, während die Sonne vor mir Zentimeter für Zentimeter den Horizont erklimmt, und mühsam den dichten Nebel der Nacht durchbricht, um ihr Licht auf das Kapitel des Buches meines Lebens zu werfen, welches vom diesem heutigen Tag erzählt.

Gedanken #002 – Die Einstellung zum Leben

Die materiellen Dinge im Leben sind die Werkzeuge, die dir das Leben gibt. Die nicht-materiellen Dinge sind das Können und die Geschicklichkeit, mit denen du mit dem Werkzeug umzugehen weißt. Ein geschickter Mensch kann auch mit schlechtem Werkzeug arbeiten, um glücklich zu werden, während anderen Menschen das beste Werkzeug nichts nützt, wenn sie damit nicht umgehen können.
Im Leben geht es nicht um die Sachen, die du bekommst, sondern die Art und Weise, wie du mit diesen Dingen umgehst. Denn das ganze Leben ist doch nichts anderes als mit dem zu leben, was man bekommt, schon seit der eigenen Geburt. Wir können uns weder unser Aussehen noch unser Geschlecht aussuchen, wir müssen mit unseren Eltern so auskommen, wie sie sind, und mit dem Land in dem wir geboren sind. Wir können nichts dieser Dinge ändern, aber wir können auf verschiedene Weisen mit den Dingen umgehen, die wir bekommen. Und ein Weg zum besseren Umgang mit den Dingen, die einem das Leben gibt, ist die Erkenntnis, diese Dinge nicht ändern zu können, und sich dadurch die Verzweiflung, die bei missglückten Versuchen entstände, zu sparen.
Und die Art, wie wir mit diesen Dingen umgehen, ist unser Charakter. Der Charakter ist die Gesamtheit alles Handlungen, Worte, Gefühle und Verhaltensweisen einer Person, und diese wiederum sind alle Reaktionen auf Geschehnisse in der Außenwelt.
Ein armer Mensch der nichts hat und trotzdem glücklich ist, ist reicher, als ein reicher Mensch der alles hat was er will, aber damit nicht glücklich wird.
Die Einstellung zum Leben bestimmt das Glück im Leben.

Gedanken #001 – 09.06.2014

Ich versuche mich allgemein mal an einem neuen Typ von Eintrag – den Gedanken. In letzter Zeit war ich sehr inaktiv, was aber nicht fehlenden Gedanken über mögliche Themen zugrunde lag, sondern eher einer fehlenden Fähigkeit bei mir, diese Gedanken geordnet in einen Blogeintrag zu packen. Ich poste nun einfach mal – so oft es mein Kopf hergibt – ungeordnete Gedanken zu unterschiedlichen Themen, die ich mir einfach so notiere. Diese Gedanken sind weder wirklich ausformuliert noch besonders lang ausgeführt, aber ich hoffe, es gefällt dem ein oder anderem.

Mein Werdegang auf Twitter zeigt doch perfekt, dass ein Mensch an sich weder toll noch interessant sein kann, denn wäre er das, wäre die Tollheit an seine reine Existenz gebunden. Mit meinem Werdegang auf Twitter meine ich, dass ich mit den vielen Menschen, mit denen ich noch vor Monaten so viel zu tun hatte, nur noch sehr wenig Kontakt habe. Das liegt an meiner zunehmenden Inaktivität, aber auch Leute, die mich in der Vergangenheit als toller und interessanter Mensch bezeichnet haben, wenden sich immer mehr ab. Und ich habe darüber nachgedacht, dass Menschen an sich eigentlich gar nicht toll oder interessant sein können, denn sonst würden andere Menschen ja wohl kaum ihre Meinung über mich ändern – wie auch, wenn die Tollheit an meine Existenz gebunden wäre – was sie nicht ist.
Das, was einen Menschen in den Augen Anderer toll werden lässt, sind seine Handlungen, seine Worte, alles was er tut (oder nicht tut). Doch Worte und Handlungen machen den Menschen selbst nicht toll, sie sind nur für sich gesehen toll. Und ausgehend von einer Handlung, die man bewertet, schließt man fälschlicherweise auf die Person, von der diese Handlung ausgeht. Deswegen ist es dem Menschen auch möglich, zu unterschiedlichen Zeitpunkten von seinen Mitmenschen als unterschiedlich toll empfunden zu werden, denn Handlungen, die die Mitmenschen bewerten können, passieren fortlaufend, und so folgt auch auf jede tolle Handlung eine neue Handlung, die zunächst nicht an den Begriff “toll” gebunden ist, und somit auch anders bewertet werden kann. Die aktuellsten Handlungen und deren Bewertung fließen also am meisten auf die Wertung des Menschen selbst ein. Und verstorbene Personen, die vor ihrem Tod eine “tolle” Handlung vollbracht haben, werden immer als “toll” in Erinnerung bleiben – denn ihrer letzten Handlung folgt keine neue, und somit bleibt diese immer am aktuellsten.
Deswegen heißt es auch immer “Höre auf, wenn es am besten ist.” Denn selbst wenn es nicht um die (Be-) Wertung von Anderen geht, geht es um eine Handlung. Und für einen selbst bleibt die Zeit kurz vor dem Ende der Handlung am besten in Erinnerung, und so bestimmt diese am meisten darüber, wie wir die Handlung später bewerten.

Wie ein Stapel von Zeugnissen – liegt oben ein sehr schlechtes Zeugnis, ist es zweitrangig, ob die darunter liegenden alle einen Schnitt von 1,0 haben, denn auch wenn man im Stapel blättern kann, bleibt seine Reihenfolge erhalten, und das schlechte Zeugnis wird immer oben liegen, wo man es immer sehen kann. Und liegt oben ein Zeugnis mit einem Schnitt von 1,0, jedoch liegen darunter etliche schlechte Zeugnisse, fühlt man sich trotz dem Wissen von ihrer Existenz besser, denn zu sehen ist nur das oberste Zeugnis, und dieses verdeckt alles, was darunter ist. Es verdeckt zwar nicht das Wissen über die Zeugnisse, die unter ihm liegen, aber es versteckt die Zeugnisse vor dem wertenden Blick des Betrachters.

Und so wird es doch auch mit Menschen gemacht – deswegen leben wir in einer Welt, in der das Aussehen so viel wichtiger zu sein scheint, als der Charakter – das Aussehen ist immerzu sichtbar, während der Charakter unter ihm von Blicken verdeckt bleibt. Und selbst wenn man den Charakter kennt, sieht man ihn nicht dauernd. Der wertende Blick sieht nur das Aussehen.

Die Macht der Zahlen

Zahlen sind etwas Mächtiges. Sie können toll sein, wenn man mit ihnen rechnet, denn da Rechnungen immer ein mit Zahlen klar definiertes Ergebnis haben, existiert in der Mathematik auch eine klare Linie zwischen “richtig” und “falsch”, die bei anderen Wissenschaften eher verschwommen ist. Beim Rechnen ermöglicht uns das also auch eine klare Trennung von Erfolgserlebnissen (beim richtigen Lösen einer Aufgabe) und Fehlern, die aber meistens so eindeutig auffindbar sind, dass ihre Korrekturen meistens wenig Aufwand erfordern.
Doch wofür Zahlen heutzutage benutzt werden, geht weit über diese theoretische Mathematik hinaus. Was machen Zahlen eigentlich?

Mit Zahlen kann man im einfachsten Fall Dingen einen eindeutigen Wert zuweisen. Ich kann exakt in einer Zahl sagen, wie alt ich bin, oder etwa wie viele Äpfel ich gekauft habe, und was diese gekostet haben. Habe ich nun mehrere verschiedene Äpfel, und ordne jedem dieser Äpfel einen Wert in Form einer Zahl zu, dann kann ich die verschiedenen Elemente der Menge “Äpfel” miteinander vergleichen. Sei es ihr Gewicht, ihr Volumen, ihr Preis oder ihr Umfang – ich kann jedes dieser Kriterien in einer Zahl ausdrücken, und die Kriterien damit vergleichbar machen.
Diese Vergleichbarkeit gibt mir nun auch die Möglichkeit der Selektion – möchte ich nun einen aus drei Äpfeln auswählen, dann kann ich anhand eines Vergleiches herausfinden, welcher Apfel in Bezug auf welches Kriterium für mich am besten geeignet ist.
Auch über Äpfel hinaus kann man mit Zahlen alles Mögliche miteinander vergleichen, sofern den zu vergleichenden Gegenständen eine Zahl zugeordnet werden kann.

Das klingt doch bisher super, oder? Dank der Zahlen fällt es mir total einfach, den billigsten Apfel, den größten Apfel oder den schwersten Apfel auszuwählen. In einer Welt voll mit Angeboten stehen mir die Zahlen hilfreich zur Seite, wenn es darum geht, aus dieser Masse an Angeboten ein für mich passendes Angebot heraus zu suchen.
Ich möchte das Beispiel der Äpfel an dieser Stelle verlassen, und mich einem komplexeren Beispiel zuwenden, an dem ich auch nun meine Einwände erläutern kann, da diese dort mehr Sinn machen.
Ich nehme mir als nächstes Beispiel also die Zeit. Dank der Wissenschaft ist schon ewig bekannt, dass die Erde um die Sonne kreist. Eine komplette Umdrehung haben wir ein Jahr genannt, und ein Jahr besteht im Normalfall wiederum aus 365 Tagen, von denen jeder eine komplette Drehung der Erde um sich selbst beschreibt. Alle hinzugekommenen Messgrößen sind nun nicht mehr an Geschehnisse in der Außenwelt gebunden, und somit ergibt sich die Dauer einer Stunde durch die Teilung der Länge eines Tages durch 24. Teilt man eine Minute noch einmal durch 60, erhält man eine Sekunde, und so kann man das nun ewig fortsetzen (was ich jetzt aber mal lasse).
Anhand dieser Zeiteinheiten läuft in unserer Gesellschaft alles ab. Wenn ich jemanden frage, wie alt er ist, wird ihm sofort eine Zahl einfallen, die aussagt, wie oft die Erde schon um die Sonne gekreist ist, seit er geboren wurde. Anhand dieser Zahl wird jeder Mensch, je nach individueller Größe der Zahl, in die Gesellschaft eingeordnet, sei es in die Schule, ins Arbeitleben oder in die Zeit als Rentner.
Vor allem am Beispiel der Rente kann man gut erkennen, dass trotz der unglaublichen Genauigkeit der Zahlen etwas schief zu laufen scheint. Man vergleicht alle Menschen anhand ihres Alters miteinander, und sucht sich die Personen heraus, deren Alter ein bestimmtes Alter überschreitet. Dabei weist man jeder Person eine Zahl zu, die mit den Zahlen, die anderen Menschen zugewiesen sind, vergleichbar ist. Jeder Mensch wird mit (s)einer Zahl zu einem Paar verknüpft, und diese Paare werden nun anhand des Wertes der Zahl miteinander verglichen. Doch dabei vergleicht man doch lediglich die den Menschen zugewiesenen Zahlen miteinander, und nicht die Menschen selbst! Der Fehler, der hier passiert ist ist, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens so stark mit seiner Zahl (seinem Alter) verknüpft wird, dass die Zahl sofort als Teil des Menschen, und nicht als ihm zugewiesene Zahl angesehen wird. Natürlich ist die Zahl von ihrem Wert her korrekt (jedenfalls fast), aber trotzdem gehört sie nicht zu dem Menschen selbst.
Man nimmt also unvergleichbare Dinge (Menschen), und sortiert sie in verschiedene Kästchen ein, auf denen je eine Zahl steht. Alle Menschen, die in das Kästchen “27” sortiert werden, haben zwar gleich viele Jahre auf dieser Erde verbracht, aber komplett gleich sind sie deswegen nicht. Gleich sind sie nur in einem einzigen Kriterium, oder eher gesagt in dem Wert der Zahl, die diesem Kriterium zugewiesen wurde.
So kann es sein, dass zwei Menschen mit riesigem Altersunterschied trotzdem gleicher körperlicher Verfassung sind, und trotzdem laut Gesetz beide ab dem selben Alter eine Rente erhalten. Würde man alle Kriterien eines Menschen beachten, könnte man das Vergleichen natürlich komplett vergessen – trotzdem sollte man einmal darüber nachgedacht haben, wie schlecht Zahlen zu Vergleichen mit vielen Kriterien geeignet sind. Nur eine bessere Lösung hat noch niemand gefunden.

Stell dir vor, die Wissenschaft hätte bis heute keine einzige Maßeinheit für die Zeit erfunden. Man könnte zwar sagen, welches Auto am schnellsten fährt, aber wie schnell es fährt, könnte man nicht sagen.
Stell dir vor, es gäbe keine Zahl, die aussagt, wie alt du bist. Alter wäre ganz einfach ein Gefühl, keine Zahl. Auch hier könnte man sagen, welcher von zwei Menschen ein längeres Leben hatte, doch wie lang die Leben waren, kann man ohne Zahlen nicht sagen.
Stell dir vor, du wachst morgen auf, und weißt weder, wie viel Uhr es ist, noch welches Datum oder welcher Wochentag ist. Du würdest aus dem Fenster schauen, und anhand der Helligkeit oder der Sonne sofort einschätzen können, wie weit der Tag fortgeschritten ist. Und Abends würdest du ins Bett gehen, wenn du müde bist, nicht wenn die Zahl auf der Uhr dir sagt, dass du langsam mal schlafen solltest.
Die Messung der Zeit versetzt uns in eine Hetze, die das Individuum letztlich komplett übergeht. Sie ist die einzige Möglichkeit, diese Gesellschaft zu organisieren, denn würde jeder so lange schlafen, wie er wöllte, würde wahrscheinlich nicht mehr so viel funktionieren – aber Opfer für diese Gesellschaft ist am Ende das Individuum. Denn die Dauer des Schlafes sagt am Ende nur etwas über die Dauer – nicht über den Schlaf selbst. Und so wird das Vergleichen ganz schnell verfälscht, und von etwas Gutem zu etwas sehr Gefährlichem.

Bewusst und unterbewusst – Immunität der Seele II

Heute möchte ich ein Thema wieder aufgreifen, das ich schon vor langer Zeit einmal behandelt habe. In meinem damaligen Eintrag “Immunität der Seele” habe ich eine eigene Erfahrung beschrieben – ich habe bemerkt, dass mir negative Dinge weniger weh tun, wie zum Beispiel ein sozialer angriff, eine Beleidigung etwa. Dieses Thema war damals sehr aktuell, da mein Schulwechsel noch nicht sehr lange zurück lag, und ich nach einem für mich sehr hartem Jahr endlich anfing, mich ein wenig zu integrieren. Jedenfalls waren komische Blicke und Lachen über mich nicht sehr selten.
Nachdem ich diesen Angriffen öfter ausgesetzt war, habe ich begonnen zu merken, dass ich mich verändere. Diese Veränderung habe ich zunächst als sehr positiv wahrgenommen, denn ich dachte anfangs, ich wäre selbstbewusster geworden. Ich wusste nicht, dass es etwas negatives daran gibt, dass einem diese Angriffe weniger ausmachen. Ich dachte, ich hätte mich einfach daran gewöhnt. Doch bald habe ich gemerkt, dass auch die andere Seite, also die positiven Dinge, an die ich sicher nicht gewöhnt war, betroffen waren – ich konnte mich immer weniger freuen, die Gefühle schienen einfach unterdrückt zu werden, und das automatisch.
Bildlich stellte ich mir diese Unterdrückung wie eine Schere vor, die die ganz hohen, aber auch die ganz tiefen Stellen meines Stimmungsverlaufes abschneidet. Doch entweder schneidet sie beide, oder keine Seiten ab, das war die Bedingung.

Seit ich gemerkt hatte, dass auch die positiven Seiten von dieser Abschwächung betroffen waren, habe ich mir gewünscht, dass diese Gefühlsabstumpfung, wie ich sie nannte, aufhört. Ich wollte negative Gefühle in Kauf nehmen, um auf die wenigen positiven Gefühle nicht verzichten zu müssen, doch Erfolg hatte ich mit diesem Wunsch nicht, denn eingreifen konnte ich in den Vorgang nie. Das kann ich auch heute noch nicht, aber ich bin der Ursache dieser automatischen Unterdrückung von Gefühlen einen Schritt näher gekommen – und darum geht es jetzt.

Wie macht das Gehirn das eigentlich, dass es positive Gefühle einfach nicht mehr zuzulassen scheint? Was passiert dort?

Schlüssel zu dieser Frage ist unser Bewusstsein, dass ich nun in zwei weitere Bereiche einteilen werde. Auf der einen Seite ist das bewusste Bewusstsein. Wie der Name schon sagt, sind wir uns bewusst bewusst, das heißt, wir denken bewusst über eine Sache nach. Dieses Nachdenken ist mir anderen körperlichen Handlungen vergleibar: Wir nehmen uns Zeit dafür, und während wir die Handlung ausführen, können wir keine zweite Handlung beginnen. Wir strengen bewusst unser Gehirn an, um über etwas nachzudenken, das Nachdenken ist eine Handlung.
Auf der anderen Seite ist das unterbewusste Bewusstsein, in dem alle Handlungen automatisch ablaufen, die wir schon so oft bewusst gesteuert haben, dass der Körper sich an sie gewöhnt hat, und aus dieser Gewöhnung heraus alleine entscheidet, ohne ein bewusstes Nachdenken über die handlung zu fordern. Solche Handlungen sind zum Beispiel die Sprache, die wir sprechen. Wir beherrschen die Sprache so gut, dass wir alle Regeln automatisch anwenden, ohne darüber bewusst nachdenken zu müssen. Nachdenken an sich tun wir schon, aber eben unterbewusst – das Nachdenken ist keine Handlung.

Und nun schauen wir uns an, was mit unseren Gedanken bei einem eventuellen sozialen Angriff passiert. Zunächst nehmen wir den Angriff, in diesem Beispiel eine Beleidigung, wahr. Wir hören die Worte, und da wir Sprache gut beherrschen, kennen wir, ohne bewusst nachdenken zu müssen, auch sofort ihre Bedeutung. Jetzt kommt aber noch unsere Beziehung zu der uns beleidigenden Person hinzu, denn wir kennen sie bestimmt, und selbst wenn nicht, dann stehen wir in irgendeinem Verhältnis zu ihr, wir bewerten sie und nehmen sie wahr. Und aus dieser Beziehung und dem Angriff selbst entstehen intuitiv die ersten Gefühle, bei denen es erstmal bleibt.
Doch das tut es nicht auf Dauer, denn wir merken uns diesen Angriff und seinen Ablauf, und auch das passiert unterbewusst. Während die unterbewusste Reaktion, die unmittelbar nach dem Angriff kommt, immer da ist, gibt es nun noch eine zweite Reaktion, die nicht immer da sein muss – die bewusste Reaktion. Wie der Name schon sagt, wird diese Reaktion von uns bewusst gesteuert, und kann deswegen auch bewusst vermieden werden, oder durch Ablenkung einfach nicht stattfinden. Sie ist also an keinen Zeitraum gebunden, wenn es darum geht, wann sie stattfindet.
Interessanter aber ist, was diese bewusste Reaktion eigentlich ist. Laut meiner Definition setzt der Begriff “bewusst” voraus, dass das Nachdenken eine Handlung ist. Vielleicht kommen wir irgendwann nach Hause, wo wir Zeit haben, Nachzudenken. Und dann denken wir über diesen Angriff nach, holen also die unterbewusste Erinnerung in unser bewusstes Bewusstsein, um dort über sie nachzudenken. Das Nachdenken über diesen Angriff wird zwagsweise auch Gefühle in uns auslösen. Wir können die Gefühle selbst nicht steuern, aber die Gedanken, durch die sie ausgelöst werden. Und wenn wir nun bewusst nachdenken, dann können wir indirekt auch unsere Gefühle steuern.
Bei diesem Vorgang entsteht nun aber eine Dopplung der Gefühle, denn sowie die bewusste Reaktion, als auch die unterbewusste Reaktion ruft Gefühle in uns hervor.

Passiert es uns nun häufiger, dass wir angegriffen werden, hat es der Körper irgendwann satt, sich deswegen immer schlecht zu fühlen. Dieses Satt-Haben ist auch ein unterbewusster Vorgang, der unserem Schutz dient. Wir merken also gar nicht, dass er abläuft.
Der Körper möchte also das Gefühl, das wir am Ende haben, weniger schlecht machen. Dieses Gefühl besteht aus dem Gefühl, das wir durch unterbewusste Gedanken geschaffen haben, und das Gefühl, welches wir durch das bewusste Nachdenken gefühlt haben. Gegen das unterbewusste Gefühl kann der Körper zunächst nichts tun, denn es passiert automatisch. Eingreifen kann er einfacher in das bewusste Gefühl, nämich indem er dieses Gefühl erst gar nicht zustande kommen lässt: Er erreicht also, dass es gar nicht dazu kommt, dass wir noch mal bewusst über diesen Angriff nachdenken.
Dieses Nachdenken werden wir anfangs gar nicht vermissen, sondern eher mit einem erleichterten “Endlich machen mir Angriffe weniger aus” reagieren. Diese Gefühle, die wir vorher nach dem bewussten Nachdenken empfunden haben, bleiben also komplett aus, und somit ist das Endprodukt an negativen Gefühlen deutlich geschrumpft. Trotzdem fühlen wir uns durch die unterbewusste Reaktion noch schlecht – nur nicht mehr so stark, und wir denken nicht mehr darüber nach. Eine trotzdem anhaltende schlechte Laune wirkt nun also grundlos, obwohl sie das nicht ist. Ihre Ursache schlummert nur in unserem Unterbewusstsein.
Bei positiven Dingen passiert genau dasselbe, denn der Körper blockiert einfach nur das Nachdenken an sich, und achtet dabei nicht darauf, welche Gefühle dadurch überhaupt entstehen würden.

Das ist meine Vermutung, wie der Körper diesen automatischen Prozess der Gefühlsabstumpfung ablaufen lässt. Wie man ihn aber stoppen oder rückgängig machen kann, kann ich nichts sagen. Ich denke, man muss sich die Dinge, die man fühlen will, bewusst bewusst machen. Wenn ich mich gut fühlen möchte, suche ich mir ein gutes Erlebnis, und denke so lange und intensiv darüber nach, dass daraus gute Gefühle entstehen.
Und genau das werde ich persönlich mal versuchen. Wenn es wirklich klappen sollte, dann werde ich noch einmal darauf zurück kommen.

In diesem Sinne: Danke für’s Lesen, man liest sich!

[Mini] Was wären wir ohne den Konjunktiv?

Dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen, denn eigentlich ist der Konjunktiv viel mehr, als nur eine Zeitform. Ich merke aber erstmal, dass die Frage in der Überschrift nicht sehr gut formuliert ist, denn Menschen wären wir vermutlich auch ohne diese komische Zeitform. Vielleicht sollte ich eher fragen: Was macht der Konjunktiv mit uns?

Der Konjunktiv macht uns Menschen zwar nicht intelligenter, aber seine Existenz alleine verkörpert bereits eine sehr große Intelligenz. Nicht nur, weil er Teil einer intelligenten Sprache ist, die wir sprechen, nein, sondern auch, weil er einen Vorgang in unserem Kopf in Worte fasst, der sehr wichtig ist – auch, wenn er für uns ganz normal scheint.
Dieser Vorgang ist schon bei der Frage nach ganz alltäglichen Dingen, wie der Auswahl des Senders, den man im Fernsehen schauen will, vorhanden. Es handelt sich um die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen, und egal wie klein die Entscheidung ist, er wird immer vorhanden sein: Es handelt sich um das Abwägen. Es gibt nämlich nicht nur einen, sondern unzählige mögliche Fernsehsender, und nun soll ich mich entscheiden, welchen ich anschalte. Ich werde mir also, um diese Entscheidung zu treffen, erstmal überlegen, was ich denn überhaupt sehen will. Finde ich vielleicht nichts tolles, dann werde ich abwägen, welche Sendung ich eher anschaue.
Mit dem Konjunktiv kann ich mich nun in die Zukunft versetzen, und mir vorstellen, wie ich mich nach der Entscheidung fühle, was die Entscheidung für Auswirkungen hatte, und diese Auswirkungen mit den möglichen Auswirkungen anderer Entscheidungen vergleichen. Und das, ganz ohne einen Entscheidung zu treffen, denn das alles passiert nur in meinem Kopf. Da es nur in meinem Kopf passiert, kann ich zwar nicht immer alle Folgen der Entscheidung kennen, aber trotzdem kann ich für mich entscheiden, welche meiner Kenntnis nach die beste Entscheidung wäre.

Doch nicht nur bei zukünftigen Ereignissen wird der Konjunktiv gebraucht, sondern auch in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Dazu kann man aber sagen, dass er in seiner Anwendung auf die Zukunft jedoch den größten Nutzen erfüllt, denn dies ist der einzige Anwendungsbereich, in dem er noch tatsächliche Entscheidungen verändern kann. Wendet man ihn auf die Vergangenheit an, was jeder sicher schon mal mit “Hätte ich doch anders gehandelt” getan hat, dann ruft er eher Gefühle hervor, und ist eher nützlich, um sein eigenes Verhalten, oder das einer anderen Person, zu reflektieren. Und mit Sätzen wie “Ich wäre jetzt gerne wo anders” findet er auch in der Gegenwart Gebrauch.

Bevor ich nun aber noch mehr über seinen Gebrauch rede, fasse ich lieber ein Bisschen zusammen, sofern es da was zusammenzufassen gibt, und komme auf die Anfangsfrage zurück. Was macht der Konjunktiv mit uns?
Der Konjunktiv kann also vor allem, wenn er auf die Zukunft angewendet wird, ein sehr nützliches Werkzeug sein, doch auch in der Vergangenheit kann er helfen, aus seinen Fehlern zu lernen, auch wenn er dort eher Gefühle wie Reue oder auch Freude hervorrufen kann. Dadurch, dass wir ihn überhaupt verwenden, wird deutlich, wie gut wir über Entscheidungen nachdenken, und wie sehr er uns beim Treffen von Entscheidungen hilft. Ohne den Konjunktiv würden wir wahrscheinlich einfach in Fallen rennen, und erst danach aus unseren Fehlern lernen.

Was wäre, wenn ich diesen Text nie verfasst hätte? 😀

Danke für’s Lesen.

Ich habe diesen Text grundsätzlich nur geschrieben, weil ich mal über dieses Thema schreiben wollte, und nicht, weil es besonders interessant oder besonders vielfältig ist. Dieser Eintrag ist also eher eine Art Lückenfüller, aber so habe ich das Thema von meiner To-Do-Liste gestrichen. Ich melde mich (hoffentlich) bald wieder mit einem richtigen Eintrag!